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Historie Kohlscheids bis 1908 Leider haben
wir keine stolzen Burgen aufzuweisen. Mittelalterliche Urkunden fehlen auch.
Doch belegen einige Funde von Steinzeit-Werkzeugen im Ortsbereich und im Wurmtal,
dass in der Frühzeit Menschen hier in der Gegend lebten. Die Kelten wussten
bereits das Galmeiund Bleivorkommen der
Region zu nutzen. Der Name der Wurm stammt bekanntlich aus dem Keltischen
und bedeutet so viel wie „warmer" Bach. Die Römer hinterließen ihre
Spuren in Richterich und Mittel-Fronrath, dort wurden je ein römisches Grab
sowie Tongegenstände und Münzen gefunden, und im Bereich Bank waren es Tassen
und Henkelkrüge. Etwa
um 1030 gehörte das Kohlscheider Gebiet zu den Besitzungen des Aachener
Pfalzgrafen Hermann Hezelo (Richterich). Von 1140-1225 war es Lehen der Grafen
von Heinsberg. Die Gegend war stark
landwirtschaftlich geprägt. Folgende Höfe und Weiler wurden schon früh
genannt: Horbach 1073, Oberfronrath 1112, Berensberg 1150, Leuchter Hof 1240, Mühlenbach
1241, Schönau 1280 , Wilsberg, Ürsfeld und Riesenhecken 1290, Heyden 1288
(1303), Bank 1361, Forensberg 1365. Die Burg Heyden kam 1361 als
Pfand an die Grafen von Jülich. Herzog Wilhelm II setzte Gothard von Bongart als Herrn auf Heyden ein und bildete aus den Orten
Richterich, Horbach, Bank, Berensberg
und Eygelshoven die Unterherrschaft Zur Heyden Diese bestand bis zum
Einmarsch der Franzosen 1794. 1524
tauchte erstmals schriftlich die Bezeichnung „Scheit' auf, dabei handelte es
sich um den Bereich der heutigen Südstraße, etwa ab Kaiserstraße bis
zum Markt (Scheit bedeutet Grenze, aber auch Höhenrücken). Dies trifft hier
auch zu, denn nach Osten geht es ab zum Wurmtal
und im Westen runter zum Amstelbachtal. Auch heute noch ist man „op der
Scheet", oder geht „no der Scheet!
Bei zunehmender Bedeutung des Kohle-Bergbaus setzte sich aber schon im
18. Jahrhundert „inoffiziell" der Name Kohlscheid durch. Die
Franzosen leiteten eine Neu-Organisation der Verwaltung ein: Aus der Herrschaft
Heyden wurde die Gemeinde „Pannesheyd",
dazu gehörten Kohlscheid, Klinkheide, Pannesheide, Gracht, Kesseles,
Rumpen, Berensberg und Hasenwald. Das Ganze wurde in das Departement de la Roer
eingefügt. Nach dem Wiener Kongress 1815
kamen wir zu Preußen. Der Landkreis Aachen wurde gegründet. Die genannten Orte
legte man zur Bürgermeisterei Heyden zusammen. Ab 1849 wurden die
Spezialgemeinden Pannesheide und Richterich eingerichtet, in Personal-Union von
einem Bürgermeister in Richterich verwaltet, mit beigeordneten Bürgermeistern
in den einzelnen Ortsteilen. Von 1886 bis 1905 war Freiherr von Broich zu Haus
Schönau aus Richterich (ehrenamtlich) tätig. Seit 1904 hielt der Gemeinderat
seine Sitzungen bereits in Kohlscheid ab. Wegen des Siedlungs-Schwerpunktes und
des Sitzes von Bergbau und der übrigen
Industrie, versuchte man seit 1905, eine Änderung des Gemeinde-Namens in
Kohlscheid zu erreichen. Der Regierungs-Präsident
gestattete im gleichen Jahr eine Verlegung
des Sitzes des Bürgermeisteramtes für die Gemeinde Pannesheide nach
Kohlscheid (Weststraße 44). Ab dem 3.4.1906 wurde Josef Lambertz als
kommissarischer Bürgermeister, allerdings hauptamtlich, eingeführt. Zu dieser
Zeit begann man ebenfalls mit den Vorarbeiten zum Bau eines eigenen Rathauses.
Der Herzogenrather Baumeister Mybs hatte einen Entwurf erstellt, der allerdings
wieder verworfen wurde. Gebaut wurde das Haus dann
in den Jahren 1907/08 in der Kaiserstraße nach Plänen des Aachener
Regierungsbaumeisters Schmidt. Am
16. Januar 1908 schließlich fasste der Gemeinderat dann den Beschluss, sich an
den Minister des Inneren zu wenden, um die Umbenennung von Pannesheide in
Kohlscheid zu erreichen. Der Kaiser stimmte am 29. September des gleichen Jahres
zu. |